Wie gut ist mein Pferd erzogen?

Erziehung ist wie das Einmaleins

Der Cavallo Kurz-Check

Erziehung ist wie das Einmaleins: Mit Übung klappt’s immer besser. Der Alltagstest von Berni Zambail zeigt, ob die Basics stimmen oder Ihr Pferd Nachhilfe braucht.

Cavallo Ausgabe Juni 2015

Artikel aus Cavallo Juni 2015

 


Frage 1 – Wie geht das Pferd rückwärts?

  1. Mein Pferd geht nicht rückwärts. Es schüttelt meine Hand weg, wenn ich diese auf die Pferdenase lege. Auch mit Druck auf die Brust bewegt sich das Pferd nicht rückwärts.
  2. Mein Pferd geht nur zögerlich rückwärts. Druck mit der Hand auf die Pferdenase reicht nicht. Ich ziehe zusätzlich am Halfter und drücke mit der Hand gegen die Pferdebrust.
  3. Mein Pferd geht willig zwei bis drei Tritte rückwärts. Ich lege ihm dafür einfach nur die Hand auf die Nase und drücke leicht. Dann geht das Pferd ohne zu zögern rückwärts.

Frage 2 – Wie verläuft der Weg zur Weide?

  1. Mein Pferd bestimmt den Weg. Es frisst an jeder Ecke und zieht am Strick. Auf der Weide rennt es sofort los. Ich habe ziemliche Mühe, überhaupt den Strick loszumachen.
  2. Mein Pferd drängelt und will fressen. Wenn ich aufpasse, kann ich es davon abhalten, indem ich zwei- bis dreimal am Strick ziehe. Auf der Weide kann ich das Pferd zu mir umdrehen, um das Halfter abzumachen. Dann trabt es los.
  3. Mein Pferd geht brav neben mir. Es zieht dabei nicht am Strick oder frisst. Bevor ich das Halfter abmache, senkt es den Kopf. Dann geht es im Schritt auf die Weide und grast.

Wie verläuft der Weg zur Weide?

Wie verläuft der Weg zur Weide?


Frage 3 – Wie gibt das Pferd die Hufe

  1. Mein Pferd entscheidet, ob es Lust hat, die Hufe zu geben. Es zieht beim Auskratzen oft die Hufe weg und versucht seitlich auszuweichen, obwohl es angebunden ist.
  2. Zum Hufeauskratzen binde ich mein Pferd an, sonst läuft es weg. Damit es den Huf gibt, kneife ich leicht in die Kastanie am Vorderbein oder in den Schleimbeutel des jeweiligen Hinterbeins.
  3. Mein Pferd bleibt unangebunden ruhig stehen und gibt brav jeden Huf. Dazu lege ich vorne die Hand aufs Schulterblatt, hinten innen aufs Sprunggelenk und schaue auf den Huf. Das Pferd hebt ihn von selbst oder auf Kommando.

Frage 4 – Wie lässt sich das Pferd trensen?

  1. Sieht es die Trense, nimmt mein Pferd den Kopf so hoch, dass ich die Zügel kaum darüber bekomme. Ich muss auf die Nase drücken, damit es den Kopf senkt. Das Pferd öffnet nicht sein Maul fürs Gebiss.
  2. Ich lege erst die Zügel über den Hals, damit das Pferd nicht wegläuft. Damit es das Maul fürs Gebiss öffnet, brauche ich ein Leckerli oder drücke mit dem Finger. Manchmal nimmt das Pferd den Kopf nach oben.
  3. Lege ich eine Hand auf den Widerrist oder Hals vom Pferd, senkt es den Kopf. Das Gebiss nimmt es freiwillig. Ich kann die Trense über die Ohren ziehen, ohne dass mein Pferd den Kopf dabei hebt.

Frage 5 – Wie steigen Sie auf Ihr Pferd?

  1. Jemand hält mein Pferd fest. Sonst würde es weglaufen beim Aufsteigen. Es dreht mir den Hintern zu, wenn ich auf der Aufsteighilfe stehe oder steckt seine Nase in meine Taschen.
  2. Ich muss mein Pferd an der Aufsteighilfe platzieren. Manchmal steht es zu weit weg oder zu nah dran. Es geht los, sobald ich im Sattel sitze.
  3. Ich stelle mich auf die Hilfe zum Aufsteigen. Mein Pferd hat gelernt, sich so davor zu platzieren, dass ich bequem aufsitzen kann. Es geht erst los, wenn ich das Kommando dafür gebe.

Frage 6 – Klappt das Verladen?

  1. Zum Verladen brauche ich Longe und Helfer. Freiwillig geht mein Pferd nicht in den Anhänger. Wir brauchen mindestens 15 Minuten, bis es im Anhänger steht.
  2. Mein Pferd hält vor der Rampe kurz an oder versucht daran vorbeizugehen. Nach kurzem Zögern bewegt es sich aber doch hinein.
  3. Ich gehe vor und das Pferd folgt in den Anhänger wie in seine Box. Ich kann auch neben der Rampe stehen und mein Pferd geht von sich aus in den Anhänger.

Der Erziehungscheck

Der Erziehungscheck

Überwiegend 1 = Auf zur Nachhilfe

Ihr Pferd ist ein echter Flegel. Widmen Sie der Erziehung mehr Zeit und besuchen Sie einen Kurs. Üben Sie die Basics: Stillstehen, Verschieben, Rückwärts. Das funktioniert prima im Alltag. “Verbessern Sie zunächst das Führen”, rät der Parelli-Trainer. Lassen Sie dabei das Pferd mit der Vor- und Hinterhand weichen. Anfangs können Sie das beim Putzen üben. Das Pferd soll auf Kommando die Hinterbeine versetzen. Drücken Sie dafür mit der Hand oder einer rauen Bürste auf die Hinterhand – etwa auf Höhe des Brandzeichens. Geben Sie das Kommando “Rüber”. Üben Sie täglich. Irgendwann reicht ein Fingerzeig. Gutes Benehmen wird so zur Gewohnheit.

Überwiegend 2 = Am Ball bleiben und üben

Ihr Pferd hört ganz gut, schummelt aber öfter. Fordern Sie nur so viel, wie Sie sicher durchsetzen können. Beginnen Sie beim Stillstehen. Dann üben Sie Hufegeben. “Sie kontrollieren die Bewegung und sagen dem Pferd, wo es seine Füsse hinstellen soll”, erklärt Berni Zambail. Anfangs kann ein Helfer das Tier halten. Sagen Sie: “Still” oder “Steh”. Bleibt das Pferd ruhig, streichen Sie langsam am Pferdebein runter. Bewegt es sich, fordern Sie es erneut zum Stillstehen auf. Dann erst geht es weiter mit Hufegeben. Steigern Sie die Anforderungen, bis das Pferd auf feine Hilfen reagiert.

Überwiegend 3 = Das Erziehungs-Einmaleins sitzt

Herzlichen Glückwunsch, Ihr Pferd ist gut erzogen. Das liegt an Ihrer Konsequenz. Damit es weiterhin so gut hört, dürfen Sie nicht nachlässig werden. Korrigieren Sie unerwünschtes Verhalten. “Loben Sie das Pferd, wenn es sich gut benimmt”, sagt Berni Zambail. Bei Streber-Typen wird gutes Benehmen schnell zur Selbstverständlichkeit. Zeigen Sie sich erkenntlich für gute Manieren.

 

Der Cavallo Erziehungscheck mit Berni Zambail

Der Cavallo Erziehungscheck mit Berni Zambail

Cavallo 2015 05 b

Seite 2 – Erziehungscheck

 

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