Der Fellwechsel im Frühling

Worauf Du jetzt achten solltest

Autor: Berni Zambail

 

Mein alter Freund Prom hat mich dazu gebracht, mir zu diesem wichtigen Thema Gedanken zu machen. Fellwechsel bedeutet nicht nur das Verlieren der Winterhaare bei steigenden Temperaturen im Frühling. Der Stoffwechsel und der ganze Körper arbeiten auf Hochtouren, denn es bildet sich ein komplett neues Sommerfell.

Jetzt ist weniger oft mehr

Beim Fellwechsel ist das richtige Training ein wichtiger Punkt. Ganz allgemein gilt: Weniger ist hier oft mehr! Viele Pferde sind während dem Fellwechsel matt, deshalb sollte man darauf Rücksicht nehmen und sie schonend bewegen, besonders, wenn sie noch ein dickes Fell haben und die Temperaturen stark steigen. Hier wäre auch Bodenarbeit angesagt, gemütliche Schrittausritte oder ein Spaziergang mit unserem Pferd. Es ist aber wichtig, dass wir unsere Pferde trotzdem bewegen damit der Kreislauf und Stoffwechsel angeregt wird, ohne sie zu überlasten. Denn Bewegung ist der Schlüssel zur Gesunderhaltung unserer Pferde…

aber bitte mit Köpfchen 😉

Auf guten Weiden kann sich das Pferd selber mit Omega-3-Fettsäuren versorgen, dies ist aber im Winter nicht möglich. Deshalb empfiehlt es sich, jetzt dieses Defizit mit der Zugabe von hochwertigen, kalt gepressten Ölen zu unterstützen. Die Öle helfen den erhöhten Energiebedarf zu stillen und sie versorgen unsere Pferd mit Omega-3-Fettsäuren und Vitamin E. Beides sind wichtige Vitalstoffe für Stoffwechsel und Immunsystem. Kalt gepresstes Leinöl und Hanföl eignet sich besonders für Pferde. Pro Grosspferd 2 Esslöffel pro Tag würde ich jedoch nicht überschreiten!

Senioren

Besonders unsere älteren Pferde müssen gut versorgt werden, denn sie haben oft mehr Probleme mit dem Haarwechsel. Dies gilt auch speziell für Ekzemer, Allergiker, Zuchtstuten, Jungpferde oder chronisch kranke Pferde. Sie neigen dazu, beim Fellwechsel vermehrt zu leiden, da die grosse Belastung des Stoffwechsels das Immunsystem schwächt.

Sich Zeit nehmen und Tee trinken

Viele Pferde reagieren auch über die Lunge und fangen an zu Husten oder bekommen Mauke, welche man sich nicht erklären kann. Probleme können sich auch zeigen, wenn das Pferd starke Medikamente nehmen musste. Bei diesen Pferden empfiehlt es sich, das Immunsystem rechtzeitig zu fördern. Dies alles kann den Stoffwechsel und die Entgiftungsorgane stark belasten. Hier würde sich im Frühling eine Entgiftungskur sehr empfehlen. Ein altes Mittel ist immer noch der Brennessel-Tee. Es gibt auch sehr gute Kräutermischungen, welche die Atemwege unterstützen können.

Eine Haaranalyse kann Aufschluss geben

Ein Mangel an Omega-3-Fettsäuren kann den Fellwechsel verzögern und sich negativ auf die Haut- und Hufqualität auswirken. Während dem Fellwechsel ist eine Zufütterung hochwertiger Natur- und Nährstoffe sehr zu empfehlen. Eine Haaranalyse gibt Klarheit, was unser Pferd wirklich braucht. (Adressen findet man im Internet)

Unsere helfende Hand

Ein sehr wichtiger Punkt ist das richtige Putzen und Striegeln der Pferde, sie geniessen es sehr, wenn wir ihnen helfen, die abgestorbenen Haare zu entfernen. Lösen sich die Haare, können wir ruhig den harten Kunststoff- oder Metallstriegel benutzen. ACHTUNG: nicht mit dem Metallstriegel über die Hüfthöcker oder Beine fahren; an diesen Stellen nur mit richtig viel Gefühl arbeiten.

BITTE die Pferde jeden Tag ausgiebig wälzen lassen! Auch die gegenseitige Fellpflege hilft, um den Pelz loszuwerden…

Rücksicht auf andere nehmen

BITTE besonders die Schweif- und Mähnenhaare sorgfältig zusammenfegen. Denn die Vögel suchen jetzt Nistmaterial und mit dem Langhaar können sich die Tiere strangulieren.

Verliert das Pferd seinen Winterpelz gar nicht oder nur stellenweise, so ist dies ein wichtiges Warnsignal. Häufig stimmt dann etwas mit dem Stoffwechsel nicht. In diesem Fall würde ich unbedingt mit einem Tierarzt sprechen und überprüfen lassen, ob das Pferd zum Beispiel unter dem Cushing Syndrom leidet. Auch ein Mineralienmangel kann den Fellwechsel verzögern, hier wäre eventuell ebenfalls eine Haaranalyse hilfreich. Denn wir müssen vermeiden, unsere Pferde wahllos mit Mineralstoffen zu überfüttern.

Älteren Pferden kann eine Schur helfen

Sollte sich der Fellwechsel bei älteren Pferden verzögern, kann man diese auch im Frühjahr scheren, damit sie nicht unnötig unter der Hitze Ende April oder Mai leiden müssen. Denn wie bei uns Menschen haben ältere Pferde oft einen schlechteren Kreislauf und leiden mit dem dicken Pelz. Kräftiges tägliches Putzen hilft auch dem Kreislauf 🙂

Geschorene Pferde vor Kälte schützen

Bitte bedenken und eventuell mit dem Tierarzt besprechen ob es ratsam ist, das Pferd zu scheren und welchen Schnitt anzuwenden ist. Denn es kann am Tag sehr warm sein und in der Nacht empfindlich kalt, sogar Frost ist im Frühjahr nicht ausgeschlossen. Dann ist es ratsam, das geschorene Pferd über Nacht oder bei kaltem Wind einzudecken. So können wir einer Erkältung vorbeugen.

In Offenställen kann man den Pferden zusätzlich helfen, indem man Kratzecken mit Wurzelbürsten installiert.

Vögel nutzen Fell als Nistmaterial

Vögel nutzen Fell als Nistmaterial

Bilder: Berni Zambail (Prom) und Mary-Theres Haller