Touch-it mit Zone 5

Von Claudia Menotti, Parelli Natural Horsemanship Studentin bei Berni Zambail seit 2015, Level 3

mit Projektpferd «Junior de Massa»

5-jähriger Lusitano, Horsenality: LBI/ LBE, seit April 2019 im Besitz von Berni Zambail

Zone 5

Zone 5 ist alles ab Schweifansatz und dahinter bis zu einer Meile. Vertrauen in Zone 5 ist wichtig für die Sicherheit beim Reiten und am Boden. Wir brauchen diese Sicherheit in Zone 5 zum Beispiel beim Anhängerverladen, beim Kutschefahren, in der Waschbox, beim Ausreiten in einer Gruppe und bei allem was von hinten kommt wie z.B. Radfahrer, Kinderwagen, Inlineskater.

Zone 5

Wie erkläre ich dem Pferd die Aufgabe?

Bevor ich überhaupt mit einer Aufgabe beginne, arbeite ich an der Verbindung zum Pferd und der Aufmerksamkeit. Mit Touch-it’s erreiche ich in der Regel bereits 70% einer guten Verbindung und das Pferd wird aufmerksam. «Calm, connected & responsive»!

Ich starte danach mit einem Yo-Yo-Game in Richtung zur Wand. Warum zuerst eine Wand? Die Wand bewegt sich nicht und ist breit genug, damit das Pferd sie sehen kann. Ich achte dabei auf die Körpersprache des Pferdes und schicke es nicht über die Angstschwelle. Im Falle von Junior fing seine Unterlippe an zu zittern, wenn es schwierig wurde für ihn und die Distanz zwischen Hinter- und Vorderfüssen wurde kürzer. In dieser Situation mache ich eine Pause, warte bis er sich entspannt und frage ihn danach, ob er nochmal einen Schritt probieren kann. Dabei lobe ich jeden Versuch. Herausforderung: Das Pferd versucht beispielsweise mit der Hinterhand auszuweichen, das Yo-Yo ist nicht mehr gerade und eine Korrektur der Hinterhand würde zu einer Uebersteuerung des Pferds führen. Ich korrigiere über das Seil, welches die Länge hat, dass ich etwas sagen kann und über die Vorderfüsse.

The 6th key of success: Imagination

Mit seiner Horsenality LBI/LBE ist Junior sehr schnell gelangweilt. Auch nimmt er einem gerne das Leadership aus der Hand und zieht sein eigenes Programm durch. Wenn ich keinen Plan habe und nicht variantenreich mit ihm spiele, hat er eigene Ideen. Wiederholungen sind ihm zuwider. Und das ist nach der 3. Wiederholung der gleichen Aufgabe in der Regel der Fall. Ich muss mir Gedanken machen und Phantasie haben, dieses Spiel immer wieder so spannend und abwechslungsreich zu gestalten, dass er sich nicht ausklinkt und dass es weiter spannend bleibt. Nur so ist es möglich, dass er sich als Gewinner fühlen kann. Also schicke ich ihn beispielsweise im Roundpen rückwärts ans Panel, an dem ich eine glänzende Folie drübergelegt habe, stelle 2 Fässer auf einer Plane auf, kombiniere das Ganze mit einem Engpassspiel, schicke ihn zuerst seitwärts über Pylonen und schicke ihn erst dann rückwärts und so weiter. Zum Schluss habe ich eine Stange zwischen 2 Hindernisse gelegt mit einem Flattervorhand und er bewegte mit dem Schweif die Folienstreifen. Bei allen Uebungen habe ich immer eine klare Vorstellung vom Bild, wie die Aufgabe gelöst werden soll und behalte meinen Fokus.

Im Parelli Programm werden die Killer einer Beziehung beschreiben, darunter zum Beispiel: Direct Line Thinking. Dies wäre im Falle von Junior, wenn ich täglich zu ihm in die Box gehen, ihn bereit machen würde und danach würden wir die immer gleiche Übung mit einem Yo-Yo zum Fass machen. Die Übungen stimme ich immer auf seine Horsenality ab und spiele abwechslungsreich und lasse ihn als Gewinner aus der Aufgabe hervorgehen. Auch verbringe ich oft «non-demanding time» mit ihm, also Zeit, in der ich nichts von ihm verlange und einfach in die Beziehung investiere.

«Put the relationship first!»

Wie merke ich, dass das Pferd eine Aufgabe verstanden hat?

Das Pferd bietet mir im Fall dieser Aufgabe an, mit dem Schweif das Fass zu berühren. Während dem Yo-Yo rückwärts kommt zum Beispiel bereits die Frage vom Pferd, ob es das Fass berühren soll. In anderen Situationen wie dem Hänger verladen merke ich, dass das Pferd die Aufgabe verstanden hat, wenn es auch in extremsten Situationen einfach zu verladen ist. Eine ganz extreme Situaton wäre für mich: der Anhänger steht neben einer stark befahrenen Strasse oder in der Nähe spielen Kinder mit Ballons, die sie dann platzen lassen.

Wie weiss das Pferd, was ich von ihm erwarte und was ist der Benefit für das Pferd bei dieser Aufgabe?

Ich definiere die Aufgabe klar. Das Pferd lernt, dass er es kann. Und ich mache immer dann eine Pause, wenn er mit dem Schweif das Fass berührt.